„Geimpft, genesen oder gestorben“. Eine rhetorische Einordnung.

Kürzlich hatte der noch amtierende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn rhetorisch nicht ganz geglückt verkündet, weshalb die Vergabe des Biontech-Impfstoffs in Deutschland nun etwas limitiert wird, ergänzend aber Moderna zum Einsatz kommen soll.

Mit seiner neuesten Alliterationgeimpft, genesen oder gestorben“ ist ihm aber rhetorisch durchaus ein Coup gelungen, und das ist nun gar nicht satirisch gemeint.

Mit dieser einprägsamen Formel, dass bis Ende des Jahres in Deutschland „so ziemlich jeder geimpft, genesen oder gestorben sein“ werde, bringt er inhaltlich auf den Punkt, wie dramatisch die Lage nun ist in Deutschland.

Der Satz ist deshalb so einprägsam, weil er gleich eine ganze Menge rhetorischer Stilmittel enthält, die den Zuhörer aufhorchen lassen. Zu der oben genannten Alliteration findet sich in ihm nämlich auch noch ein Wortspiel, denn aus „geimpft, genesen oder getestet“ wird „geimpft, genesen oder gestorben„. Desweiteren enthält der Satz auch noch eine drastische Antithese: Leben versus Tod.

Und selbst, wenn das Ganze im Sinne einer Hyperbel vielleicht ein bisschen ĂĽberspitzt ist, ist es wohl doch inhaltlich richtig, dass zumindest in der Folge, vielleicht dann eben bis Januar oder Februar, das Gesagte durchaus eintreten kann.

Menschen, die also nicht sicher sind, ob sie durch eine Infektion mit dem Coronavirus heile hindurchkommen, welches ja eine durchaus schwerwiegende Krankheit verursachen kann, Menschen also, die nicht ganz sicher sind, ob sie zu denen gehören, die am Schluss dann auch genesen sind (und wer könnte diesbezüglich schon sicher sein?), sollten dementsprechend doch noch einmal darüber nachdenken, was denn das geringere Übel ist: sich mit einem gut verträglichen und sehr effektiven Impfstoff impfen zu lassen oder potentiell lieber einsam auf einer Intensivstation, sofern dort überhaupt noch ein Bett frei sein sollte, zu sterben.

5 Gedanken zu “„Geimpft, genesen oder gestorben“. Eine rhetorische Einordnung.

  1. Wie kann man einem sogenannten Gesundheitsminister glauben, der vor ca. 10 Jahren gesagt hatte, mit medizinischen Ersatzteilen, sollten nicht mehr Menschen über 70 versorgt werden? Dieses ständige Hin- und Her, Für und Wider, geht vielen auf die Nerven. Eine Impfpflicht ist die einzige Maßnahme die helfen würde. Sie hätte uns allen viele Ängste und Leid erspart, wenn sie von Anfang an gekommen wäre. LG Gisela

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    1. Das was Span vor 10 Jahren (daher)gesagt hat, ist damals an mir vorbei gegangen.
      Aber was die Pandemie betrifft, hat die Politik wohl nicht damit gerechnet, das sooo viele Menschen die Impfung ablehnen. Und wenn ich ehrlich bin, ich auch nicht.
      Nun ist guter Rat teuer, zumal im Gegensatz zum letzten Winter, die Delta Variante wütet, wie im Frühjahr in Indien. Und nun wird der Boden für die nächste Mutation bereitet, wenn es ganz dumm läuft.
      Hinter sind wir alle schlauer und die Chance, dass manmiz der eigenen Prognose richtig liegt, stehen fifty/fifty.

      Gefällt 2 Personen

  2. KĂĽrzlich sah ich bei Markus Lanz einen Intensivpfleger einer COVID 19 Station.
    Er beschrieb kurz und prägnant den Ablauf. Wer dort landet, muss intensiv betreut werden. Wenn er GlĂĽck hat..reicht es schon. Wenn er Pech hat, muss er beatmet werden. Und wer beatmet werden muss, wird vorher aufgeklärt. FĂĽnfzig Prozent derer wachen nicht mehr auf und versterben während des Koma. Sie können sich deshalb vorher von ihrer Familie noch verabschieden und anschlieĂźend werden sie intubuiert. Er beschrieb auch den Klammergriff, den die Patienten.an seinen Arm legen, mit den Worten:“Holen Sie mich wieder zurĂĽck“
    Diese mantale Belastung ist auch für das Pflegepersonal nahezu unerträglich.
    Dort spielen sich täglich solchen Dramen ab und die Frage ist, wie lange Mensch das aushält, ohne zuzammenzubrechen oder mental zu verrohen?

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